Schöpfungsmythos

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Der Schöpfungsmythos der Germanen und nordischen Völker

Der Schöpfungsmythos der Germanen

Der Schöpfungsmythos der Germanen hat sich hauptsächlich in Deutschland und Skandinavien etabliert. Die Mythen haben sich im Laufe der Zeit durch die mündliche Weitergabe immer wieder etwas verändert und auch die Namen der Götter wurden immer mal wieder angepasst. Doch der grobe Umriss der Entstehungsgeschichte der nordischen Völker ist geblieben.

Am Anfang war das Nichts, der Schlund, das Eis und das Feuer

Die Schöpfungsgeschichte beginnt mit den zwei Regionen Niflheim im Norden – ein immer dunkles nebliges Land aus Wasser und Eis und Muspelheim im Süden – das helle, heiße Land des sprühenden Feuers. Dazwischen gab es Nichts! Keine Erde, kein Wasser und auch keinen Himmel. Diese Leere wurde Ginnungagap genannt und manch einer hat sie sich als tiefen Schlund oder Abgrund vorgestellt. Ginnungagap enthielt nichts Sichtbares oder Materielles, aber war von geheimnisvollen, unsichtbaren Kräften erfüllt .

Im Zentrum von Niflheim, aufgrund seiner dunstigen Dunkelheit auch Nebelheim genannt, entsprangen elf giftige Ströme, die kurz nach ihrem Austreten aus dem Inneren zu skurrilen Eisformen und -Zapfen gefroren. Giftige Gase stiegen empor und deren Dämpfe waberten wie Nebel durch die Luft und ließen sich wieder als giftigen Reif nieder. So wuchs die Landmasse von Niflheim immer mehr an und bewegte sich Richtung Ginnungagap. Das Feuerland Muspelheim indessen breitete sein Feuer durch die starken Südwinde weiter aus und die Feuersbrunst rückte dem Schlund von Ginnungagap auch immer näher.

Schließlich trafen sich die kalte Reiffront von Niflheim und der heiße Südwind aus Muspelheim. Feuerfunken sprühten in das Eis und den Reif und brachten ihn zum Schmelzen. Die entstehenden Tautropfen sammelten sich am Rand von Ginnungagap und flossen in den Abgrund. Das Schmelzwasser sammelte sich und formte den gewaltigen Reifriesen Ymir.

Die Entstehung der Urzeitriesen und Regierung des Kosmos

Germanische Mythologie - die Entstehung der Urzeitriesen
Die Entstehung der Urzeitriesen

Zunächst lag der zweigeschlechtliche Ymir nur schlafend im schmelzenden Eiswasser, doch als die warmen Winde von Muspelheim weiterhin über ihm hinwegfegten, fing er an zu schwitzen. Aus dem Schweiß unter seinem linken Arm entstanden zwei weitere Frostriesen – ein weiblicher und ein männlicher. Der Schweiß quoll aus den Achselhöhlen von Ymir hervor und rann seinen ganzen Körper entlang, hinunter zu den Beinen. Dort entwuchs der erste Sohn der Riesen – vermutlich war sein Name Thrudgelmir.

Das Eis schmolz weiter und von den Schnee- und Eismassen befreit, wurde die Kuh Audhumla sichtbar. Aus ihrem prall gefüllten Euter flossen vier Milchströme auf Ymir und die anderen Reifriesen zu und nährten sie. Audhumla selber ernährte sich vom Ablecken der Eiskruste auf der sie stand und dem Trinken des Schmelzwassers. Am ersten Tag kamen Haare und ein Kopf zum Vorschein und durch das Weiterlecken, legte sie am Ende des dritten Tages den ganzen Körper frei. Es war der Riese Buri, der nun vollkommen sichtbar, als gutaussehender, großer und starker männlicher Riese in Erscheinung trat. Genau lässt sich die Art der Zeugung nicht nachvollziehen, doch Audhumla leckte weiter und legte nun auch noch Buris Sohn Bör frei.

Somit wurde Ymir der Stammvater der Reif- und Frostriesen und ließen sich mit ihnen als kleine Gruppe in Niflheim nieder. Sie regierten den Kosmos und vermehrten sich schnell und zahlreich. Bör heiratete Bestla, die Tochter des Riesen Bölthorn. Das Paar bekam drei Söhne – Odin, Vili und Ve.

Die ersten Götter und die Entstehung der Welt

Germanische Mythologie - die Erschaffung der Welt
Die Erschaffung der germanischen Welt

Ymir und die anderen Riesen mochten die drei Söhne von Bör und Bestla nicht. Sie waren grausam zu ihnen und schikanierten sie wo sie nur konnten. Odin, der intelligenteste der drei inzwischen jungen Männer, beschloss sich zu wehren. Er ersann Abwehrtechniken, entdeckte die Magie und formte seine Phantasie und Vorstellungskraft. Unter seiner Anleitung wurden er und seine Brüder zu Göttern – die Asen oder auch Himmelsgötter.

Die Angriffe der Riesen auf die Götter wurden immer härter. Ymir und die anderen Frostriesen waren eifersüchtig auf Odin und seine Brüder. Sie neideten ihnen ihre Intelligenz und ihr Wissen und versuchten deren Schätze zu rauben. Ihr Ziel war es, die Götter zu beherrschen und sie nicht zu mächtig werden zu lassen. Irgendwann wurde es Odin und seinen Brüdern zu bunt mit den Riesen und sie beschlossen, ihre bösen Widersacher zu töten. In einem erbitterten Kampf erschlugen die Drei den Riesen Ymir und schufen aus seinen Körperteilen die Welt.

Aus den Fleischfetzen, die überall herumlagen, formten die drei Brüder die Erde. Als flache Scheibe schwamm sie in dem vielen Blut, das aus Ymirs Körperwunden herausströmte. Dabei ertranken übrigens die anderen Frostriesen, bis auf Bergelmir und seine Frau, die sich noch rechtzeitig in einen ausgehöhlten Baumstamm retten konnten. Das Blut verwandelte Odin in Flüsse und Seen, den Rest ließ er als Meer um die Erdscheibe fließen. Ein paar Fleischfetzen hatten die Asen wohl übersehen. Ganz schnell fanden sich dort kleine, fette Maden ein. Scheinbar war Odin von ihrem Aussehen nicht besonders angetan, denn er verwandelte sie geschickt in kleine, intelligente Wesen – die Zwerge.

Nun lagen da noch Knochen und Zähne herum. Odin, der auch ein gutes Gespür für Design und Kreativität entwickelt hatte, baute daraus interessant geformte Berge, Felsen und Steine. Die Wimpern und Haare von Ymir verteilte der Wind und aus ihnen wurden die Bäume, Blumen und Gräser. Nun blieb nur noch der riesige Schädel übrig. Auch hier hatte Odin eine ganz spontane Idee. Er stellte den Kopf auf und schuf damit das Himmelsgewölbe.

Vier Zwerge – Norden, Osten, Süden und Westen genannt, halfen ihm bei der Fixierung. Dann gönnten sich Odin und seine Brüder den Spaß der Dekorierung. Sie griffen sich mehrere Handvoll Gehirn des Riesen und warfen es in den Schädel. Manche Gehirnteile blieben dort kleben und bildeten die Wolken. Odin war mit seinem Werk zufrieden, doch irgendetwas fehlte noch. Während er so da stand und nach der richtigen Idee suchte, traf ihn ein Feuerfunke aus Muspelheim. Odin fing wütend mit beiden Händen mehrere Feuerfunken auf und schleuderte sie mit voller Wucht in sein neues Himmelsgewölbe. Voller Freude erkannte er, dass er gerade die Beleuchtung erfunden hatte. Sonne, Mond und Sterne erhellten nun den Himmel und wie auf einer Bühne konnte er sein Werk – die Erde bewundern.

Erschaffung der ersten Menschen

Odin und seine Brüder sahen sich ihr neues Reich an und spazierten am Strand, dem Rand der Erde entlang. Da entdeckten sie zwei abgestorbene, dicke Äste einer Esche und einer Ulme, die der Ozean ans Ufer gespült hatte. Odin erkannte, dass sie ja noch gar keine Bewohner für die neu geschaffene Erde hatten. Er hauchte den beiden Ästen Leben ein und formte die Esche zu einem Mann und die Ulme zu einer Frau. Sein Bruder Vili schenkte den beiden Verstand und Gefühl und Ve, der dritte Bruder, versorgte die neuen Menschen mit den fünf Sinnen: Sehen, Hören, Fühlen, Riechen und Schmecken.

Übereinstimmend gaben sie dem Mann den Namen Ask und die Frau benannten sie Embla. Das Paar wurde mit der Aufgabe betraut, eine Familie zu gründen und für die Entstehung der Menschheit zu sorgen. Außerdem übergaben die Götter ihnen die Verantwortung und Pflege für die Tiere und Pflanzen auf der Erde. Im weiteren Verlauf der Schöpfung erhielt die Erde den Namen Midgard.