Wanenkrieg

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Der Krieg der germanischen Götter

Wanenkrieg - Kampf der germanischen Götter

Zunächst war es recht friedlich auf den neu erschaffenen Welten. Alle Wesen, die Zwerge, Elben, Riesen und Ungeheuer, Menschen und Götter lebten in den ihnen zugewiesenen Regionen und kümmerten sich um ihre Pflichten. Die Riesen mussten hin und wieder von den Göttern in ihre Schranken gewiesen werden, aber dies waren anfänglich die einzigen kriegerischen Handlungen, zu denen sich – hauptsächlich die Asen – hinreißen ließen.

Das Göttergeschlecht der Asen lebte einträchtig mit dem Göttergeschlecht der Wanen auf Asgard – der Götterburg in der höchsten Ebene der Welten. Viele Jahre ging diese Nachbarschaft gut und man arbeitete Hand in Hand. Die Asen kümmerten sich um die Verteidigung und Abwehr von Feinden und lebten ein feudales Leben mit Liebschaften, Gelagen und vielerlei Freizeitvergnügungen, die sie auch mit den Wanen unternahmen.

Die Wanen kümmerten sich um Flora und Fauna und übten hier und da Magie aus. Ein bisschen Kräuter- und Heilkunde, ein paar kleinere Zaubertricks, aber auch die Kunst der Weissagung und Verzauberung soll den Wanen nicht unbekannt gewesen sein. Viele ihrer Geheimnisse brachten sie den Asen bei und besonders Odin interessierte sich sehr für die Magie.

Wahrscheinlich gab es einen Auslöser, doch der ist nicht überliefert worden. Gullveig, die Seherin und Weise Frau von den Wanen, stach wohl der Hafer oder sie hatte einen schlechten Tag. Sie unterhielt sich mit den Asen und gab mit dem unermesslichem Gold-Reichtum, den die Wanen besitzen würden, an. Vielleicht tat sie es – weil sie eben eine Seherin war und damit wusste, wie die Geschichte weitergehen würde. Vielleicht hatte sie aber auch einfach an diesem Tag keine seherischen Fähigkeiten, die sie zurück gehalten hätten.

Schwarze Magie, Hexerei und die erste Kriegserklärung

Die Asen hörten mit großen Augen und wachsendem Interesse der Gullveig zu. Ein Goldschatz war nicht zu verachten und Odin und die anderen Götter der Asen hatten für Schätze und besondere Artefakte immer Verwendung. Die Asen wollten von Gullveig wissen, wo sich denn dieser sagenhafte Goldschatz befände und wo die Quelle des Reichtums ist. Gullveig, auch die Göttin der Magie, verweigerte jetzt plötzlich die Aussage und machte die Asen damit wirklich wütend. Außerdem hatte sich Gullveig nicht mit ihrer eigenen Gestalt gezeigt. Sie konnte sich aufgrund ihrer magischen Hexenkünste verwandeln und ihr Aussehen völlig verändern. Dadurch hatten die Asen sie natürlich vorher nicht erkannt. Die Asen fühlten sich bodenlos getäuscht und verhöhnt.

Als es eindeutig war, dass Gullveig nichts verraten würde, stießen die Asen sie ins Feuer. Sie jedoch erhob sich wieder unversehrt aus dem Aschehaufen. Noch zwei weitere Male wiederholten die Asen die Folter und den Wurf ins Feuer, doch Gullveig blieb unverletzt und sehr lebendig. Schließlich war sie eine Wanen-Göttin und damit unsterblich. Die Asen ließen sie frei und zogen damit die unverhüllte Wut der Wanen auf sich. Zwar war niemand zu Schaden gekommen, aber alleine schon die Frechheit eine Göttin töten zu wollen, reichte für eine Kriegserklärung. Kurzerhand warfen die Asen die Wanen aus Asgard heraus und Odin schleuderte seinen Speer in das Heer der Wanen. Dies war das Zeichen für den Krieg.

Der Wanenkrieg

Ein nicht enden wollender Krieg begann. Beide Seiten schlugen erbarmungslos zu, wobei eigentlich die Asen im Vorteil gewesen wären, da sie ja kampferprobt und viel aggressiver als die Wanen waren. Doch erstaunlicherweise konnten die Wanen die Asen von einer Niederlage in die andere stürzen. Es wird gemunkelt, dass schwarze Magie und andere Zauberkünste eine entscheidende Rolle gespielt haben.

Beide Seiten zerstörten das Land des Gegners und als Höhepunkt der Schlacht konnten die Wanen die unzerstörbare Mauer von Asgard zum Einsturz bringen. Nun sollte der richtige Zeitpunkt für eine Versöhnung gekommen sein. Die Wanen unterbreiteten den Asen ein Friedensangebot. Nach längerem Zögern willigten die Asen ein und akzeptierten die Gleichstellung der Wanen mit den Asen.

Waffenstillstand und Geiseln

Einen wirklichen Frieden beschlossen die beiden Parteien nicht – sondern eher so etwas wie einen Waffenstillstand. Auf beiden Seiten war das Misstrauen groß und keiner glaubte so wirklich an den Frieden. Also beschloss man zu Sicherheit Geiseln auszutauschen. Von den Wanen kamen der Meeresgott Njörd und sein Sohn Freyr, der Gott des Reichtums und der Fruchtbarkeit. Von den Wanen war dies die höchste Garde, denn Njörd und Freyr gehörten zu den Anführern. Die Asen hingegen schickten den schönen, aber schweigsamen Gott Hönir und Mimir, den göttlichen Riesen.

Da ja die Wanen ihren höchsten Anführer Njörd als Geisel übergeben hatten, fehlte ihnen nun ein entsprechender Mann. Odin und die Asen lobten die Anführer-Qualitäten von Hönir in den höchsten Tönen. Vielleicht hatten die Asen ja Recht mit ihrer Behauptung, doch anzumerken war dies Hönir nicht gerade. Es fiel ihm sehr schwer eigene Entscheidungen zu treffen und weisen Rat konnte er schon gar nicht geben. Er war eher der Typ, der meditierte und auf Eingebungen wartete. Mimir hingegen, war voller Weisheit und Wissen und gab Hönir jedes mal heimlich die Antworten und Entscheidungen, die die Wanen von Hömir erwarteten. Eines Tages flog Hönir auf – er hatte keine Gelegenheit Mimir rechtzeitig nach einer Antwort zu fragen – und die Wanen fühlten sich von den Asen betrogen.

Die Wanen fanden den wahren Meister der Weisheit heraus und forderten Mimir auf, ihm das Geheimnis seiner Weisheit zu offenbaren. Er weigerte sich und die Wanen schlugen ihm vor Wut und Enttäuschung den Kopf ab. Bei den Asen ist so eine Tat nicht rückgängig zu machen, da sie nicht unsterblich sind. Die Wanen packten den Kopf schön ein und schickten ihn Odin.

Da aber Mimirs Kopf immer noch alle Weisheit der Welt enthielt, machte Odin den Kopf mit Hilfe von Zaubersprüchen und Magie haltbar und bewahrte ihn in Asgard auf. Regelmäßig konsultierte Odin Mimirs Kopf und fragte ihn nach Prophezeiungen und Weissagungen. Auch mit Botschaften aus den anderen Welten hielt sich Odin durch Mimirs Aussagen auf dem Laufenden. Diese Situation änderte für die Asen alles. Sie verfügten nun als Einzige über alle Weisheiten und die Macht der Wanen schrumpfte immer mehr. Schließlich einigten sich die Götter beider Seiten, zu einem einzigen Göttergeschlecht zu werden.

Der Friedenspakt der germanischen Götter

Der dauerhafte Frieden sollte nun auch entsprechend besiegelt werden. Alle Götter bildeten einen Kreis und versammelten sich um einen Krug, in den sie alle hineinspuckten. Aus dem gesammelten Speichel formten die Asen-Götter den Riesen Kvasir, der zu einem hervorragenden Dichter voller Weisheit wurde. Wo auch immer Kvasir auftauchte und seine Weisheiten von sich gab, unterbrachen alle Geschöpfe des Universums ihre Tätigkeit und hörten ihm zu.

Eines Tages wurde er von den habgierigen Zwergen Fjalar und Galar getötet, da sie seiner Weisheit habhaft werden wollten. Das frische Blut, des getöteten Riesen, gossen die Zwerge in einen großen Zauberkessel. Sie gaben etwas Honig dazu und ließen den Sud auf hoher Hitze langsam vor sich hinköcheln. Es entstand ein wohlschmeckender Met, der demjenigen der davon trank, Weisheit und dichterische Fähigkeiten verlieh.

Dieser Met war sehr begehrt und es ranken sich noch weitere Geschichten um dieses Zaubergetränk. Diebstahl, Mord und Verfolgungen werden noch eine wichtige Rolle spielen – doch diese Geschichte erzähle ich Euch ein andermal.

Der Wanenkrieg dauerte viele Jahrhunderte und endete letztendlich in einem dauerhaften Frieden. Allerdings nur zwischen den Wanen und den Asen. Die Prophezeiungen kündigten einen weiteren viel schlimmeren Krieg an: Ragnaröck – der Weltuntergang.

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